Herrentunnel-Eselei: Frühstück ohne Papi

Oder: Was vom Propaganda-Spruch "Herrentunnel - so schnell kann's gehen" am Ende übrig bleibt

Die Erkenntnis, dass Lübeck sich mit dem Herrentunnel ein Millionengrab
unter der Trave geschaufelt und eine verkehrspolitische Eselei begangen
hat, ist inzwischen bei allen angekommen - auch bei denjenigen, die mit
massiver Propaganda den Mauttunnel erst ermöglicht haben.

 

Tunneleröffnung am 22. August 2005: Für Radfahrer und Fußgänger kein Grund zum Feiern

 

Denn ein weiteres, wichtiges Gegenargument gegen eine Tunnellösung wurde von den Propagandisten vor zehn Jahren ebenfalls schlicht ignoriert und vom Tisch gewischt: Die Tatsache nämlich, dass der Autotunnel für Radfahrer und Fußgänger im Gegensatz zu einer Klappbrückenlösung bei jeder Querung eine Wartezeit nach sich zieht.

Dies ist besonders ärgerlich, weil es die Fahrzeit zwischen Innenstadt und den nördlichen Stadtbezirken verlängert, ganz im Gegensatz übrigens zu dem lächerlichen Werbeslogan „Herrentunnel so schnell kann's gehen!“ Denn Papi sitzt nicht etwa länger sondern gar nicht mehr am Frühstückstisch, weil er früher los muss.

Vorgängerbauwerk Herrenbrücke: Nur selten ein Hindernis für Radler 

 

Radfahrende Berufspendler, Schüler und Touristen müssen aufwändig mit einem Bus durch die Röhre befördert werden. Das Ein- und Ausladen sowie die lange Streckenschleife mit nur zwei Haltepunkten kostet ohnehin schon mehr Zeit als die Querung auf einer Brücke.

Wird der vertraglich zugesicherte Pendeltakt aus Geiz weiter verlängert, so geht dies ausschließlich zu Lasten der Nutzer. Daher ist die eigenmächtige Verlängerung um fünf auf 15 Minuten Wartezeit durch die Herrentunnel-Gesellschaft nicht hinehmbar, zumal die Hansestadt Millionen an die Gesellschaft für diesen Service bereits gezahlt hat.

Umso verwerflicher ist es, dass unser schläfriger und an allem desinteressierter Bürgermeister Saxe hier nicht von sich aus auf Einhaltung des Vertrages achtet und erst wochenlange Nachfragen von BUNT ins Land gehen lässt, ehe der zugesicherte Fahrplan von seinem Bausenator angemahnt und durchgesetzt wird. Auch wenn es nervt: Wir werden in diesem Punkt nicht locker lassen, bis dieses Thema zufriedenstellend gelöst ist. Dafür sind wir schließlich da!

Hildegund Stamm