15 Fragen - 15 Antworten
15 Fragen der Lübecker Nachrichten und 15 Antworten des BUNT-Kandidaten Matthias Erz
1. Wie sieht Ihre Sparliste für 2012 konkret aus?
| Matthias Erz: Eine konkrete Sparliste - wie eines amtierenden
Bürgermeisters - kann ein Kandidat, der nicht der Verwaltung angehört,
naturgemäß nicht vorlegen. Dafür benötigt er seine Experten aus der
Finanzwirtschaft und dem Controlling, die alle Einsparmöglichkeiten
genau in ihrer Dimension und ihrer Auswirkung auf den Haushalt kennen.
Bevor ich daher mit Einzelvorschlägen an die Öffentlichkeit gehe, werde
ich meine Ideen und die von Anderen zunächst verwaltungsintern beraten
und sie dann den Bürgerschaftsfraktionen und den Bürgern vorschlagen. | ![]() |
2. Werden Sie Mitarbeiter der Stadtverwaltung entlassen?
| Matthias Erz: Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital.
Betriebsbedingte Kündigungen sind Gift fürs Betriebsklima und für die
Motivation der Beschäftigten! Als Verwaltungschef werde ich daher ein
Verzicht auf derartige Kündigungen in Betriebsvereinbarungen
festschreiben lassen. Wo es notwendig ist, werde ich zum Personalabbau
auf die natürliche Fluktuation und Abfindungsvereinbarungen bei
freiwilliger Kündigung setzen - sofern es sich um eine entbehrliche
Stelle handelt. Im Gegenzug möchte ich von den Personalräten eine
größere Flexibilität beim Einsatz der städtischen Beschäftigten
erzielen. |
3. Werden Sie zur Sanierung des Haushaltes Kultureinrichtungen oder Schwimmbäder schließen?
| Matthias Erz: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass hier nicht mehr viele eingespart werden kann. Allenfalls die Ausrichtung des Eigenbetriebs Lübecker Schwimmbäder scheint noch betriebswirtschaftliche Optimierungsmöglichkeiten zu bieten, die auch strikt genutzt werden sollten. Weitere Bäder zu schließen, nachdem sie die Hansestadt bereits von den Flussbädern getrennt hat (was diesen wegen einen großen Bürgerengagements sogar mehr genützt als geschadet hat), ist mit mir nicht machbar. Schwimmen ist in einer Stadt am Meer ein noch wichtigeres Kulturgut als etwa in Ibbenbüren oder anderswo! |
4. Werden Sie eher Straßen sanieren oder Radwege ausbauen?
![]() | Matthias Erz: Der preiswertere Radwegeausbau hat absoluten Vorrang.
Grund: Erstens ist hier ewig nichts passiert, während der Radverkehr
gewaltig zugenommen hat. Außerdem fördert das Radfahren Gesundheit,
Fitness und soziale Belange, zumal es wenig kostet. Das Autozeitalter
geht dem Ende entgegen. Die Bauverwaltung, vor allem ihr Autofan Senator
Boden und Herr Saxe haben das noch nicht realisiert. Das Radwegenetz
muss grundhaft erneutert und konzeptionell völlig neu geplant werden.
Mit mir als Bürgermeister wird das zur Chefsache! Versprochen! |
5. Wollen Sie den Flughafen ab 2013 fortführen oder abwickeln?
| Matthias Erz: Den Flughafen Blankensee, unser unseliges Millionengrab
und beständiges Ärgernis, sollten wir so schnell wie möglich abwickeln.
Wir haben ja noch den bestens ausgebauten und internationalen Flughafen
Fuhlsbüttel vor der Haustür! Blankensee könnte zu einem Gewerbe- und
Industrierevier werden. Hier sollten wir Herrn Fürter (Grüne) Raum
geben, um seine Energiespielwiese zu realisieren. In Blankensee kann er
nach Herzenslust zwischen Heidekraut und impotenten Kranichen seine
energiepolitischen Leuchttürme errichten und Elektroautos surren lassen. | ![]() |
6. Werden Sie beim Stadtverkehr weiter einsparen und das Busangebot reduzieren oder es ausbauen?
| Matthias Erz: Den Busverkehr auszudünnen und dabei die Anfangs- und
Endzeiten zu kappen, ist das Dümmste, was man tun kann. Denn was können
die fünf Kunden in den frühen Morgenstunden dafür, das die Übrigen
nicht kommen? Busverkehr gehört zu Basis-Infrastruktur, die bei
Firmenansiedlung meist den Ausschlag gibt. Der Stadtverkehr muss in
jedem Fall vor Torheiten bewahrt werden. Hätte er den sinnvollen
Beschluss der Bürgerschaft, alle Busse wie Malmö auf Erdgasbetrieb
umzustellen (1996), nicht bösartig unterlaufen, ginge es ihm heute
wirtschaftlich besser! |
7. Werden Sie das Projekt Priwall-Waterfront unterstützen?
| Matthias Erz: In dieser Form scheint mir das Projekt unausgegoren und
unvorteilhaft zu sein für Lübeck. Dass dort aber etwas passieren muss,
ist ebenso deutlich. Denn es handelt sich um eine einzigartige Lage am
Wasser und an der Ostsee – da lohnt es sich schon, etwas genauer
hinzuschauen. Die Bürger vor Ort haben inzwischen außerordentlich tolle
Ideen entwickelt. Diese müssen von uns aufgegriffen werden und
integriert werden. Auch hier gilt: Größere Transparenz und stärkere
Bürgerbeteiligung tun absolut not! Und: Nicht nur für Reiche bauen! | |
8. Soll der Grünstrand in Travemünde bebaut werden?
| Matthias Erz: Auf gar keinen Fall! Diese große Wiese direkt am Strand ist einzigartig und gibt es in dieser einmaligen Form nur in Travemünde. Nur wegen dieser Wiese bin ich früher als Tourist aus vom Rhein nach Travemünde gekommen – und habe mir eine bessere Pflege des Areals (z.B. künstliche Beregnung bei Nacht) schon damals sehnlichst gewünscht. Die Wiese erfüllt zudem eine wichtige soziale Funktion: Hier können Jugendliche und auch Großfamilien mit wenig Geld entspannen und sich erholen. Ein Frevel, daran zu denken, hier die Bagger rollen zu lassen! |
9. Wollen Sie lieber Wohnbebauung auf der nördlichen Wallhalbinsel oder Industriearbeitsplätze auf der Roddenkoppel?
| Matthias Erz: Ob dies ein Gegensatz sein muss, wage ich zu bezweifeln.
Sicher lässt sich beides miteinander vereinbaren. Dennoch bin ich für
ein Stopp des Projektes,weil mir einerseits die städtebauliche Qualität
zu dürftig ist. Hier kann ein Blick nach Malmö jedem die Augen über die
Jämmerlichkeit des Plans öffnen. Ich habe anderseits nach zahlreichen
Pleiten der Vergangenheit kein Vertrauen mehr in die stadteigene
Entwicklungsgesellschaft KWL, die als einzige mit einem Gewinn aus der
Sache herausgehen wird, während die Hansestadt ein hohes Risiko trägt. | ![]() |
10. Welche Lösung haben Sie für die defizitären städtischen Altenheime?
| Matthias Erz: Wir sollten diskutieren, ob das Betreiben von Seniorenheimen eine unabweisbare Notwendigkeit für eine Stadt ist oder ob es nicht bessere Möglichkeiten gibt, älteren Menschen ein Altern in Würde zu ermöglichen. Unsere Bürger fragen immer mehr nach anderen Lebens- und Wohnformen. Unter dem Strich wäre es für die Hansestadt mit Sicherheit günstiger, Wohngemeinschaften oder Alt-und- Jung-Lebensprojekte zu fördern, als große Einrichtungen zu finanzieren. Lübeck muss hier nichts neu erfinden, sondern sich nur umschauen, wie es andere machen. |
11. Wie wollen Sie den gesetzlich vorgeschriebenen Kita-Ausbau finanzieren?
| Matthias Erz: Wir haben viel zu wenig Kindertagesplätze – vor allem für Kinder unter zwei Jahren - und müssen uns sehr anstrengen, um diesen traurigen Missstand zu beheben.. Da dies eín zentrales Thema für Lübecks Zukunft ist und wir auch den Eltern mit Kleinkinder eine Berufstätigkeit ermöglichen müssen, werden wir in diesen Bereich Geld aus anderen Töpfen umleiten und gleichzeitig nach neuen Finanzierungsquellen Ausschau halten müssen. Jede Mutter, die möchte, soll ortsnah ihr Kind betreuen lassen können. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! | ![]() |
12. Werden Sie dafür sorgen, dass möglichst viele Gemeinschaftsschulen eine Oberstufe bekommen?
![]() | Matthias Erz: Das hängt ab vom Schulentwicklungsplan, den die
Verwaltung regelmäßig erarbeit, und natürlich vom Willen der
Bürgerschaft. Wenn die Bürgerschaft ein derartiges Konzept nach
ausführlicher und sachkundiger Debatte beschließt, dann ist dies für
mich als Bürgermeister bindend, um meiner Verwaltung entsprechende
Umsetzungsanordnungen zu erteilen. Wir müssen dabei aber den
demographischen Faktor im Auge behalten und dürfen keinesfalls am Bedarf
vorbei planen. Ansonsten sind Schulangelegenheit aber Sache des Landes
und nicht des Bürgermeisters. |
13. Braucht Lübeck zehn Museen und noch ein Hansemuseum?
| Matthias Erz: Ja, aber nicht notwendigerweise ein neues Gebäude, dessen
Bau Millionen verschlingt und hohe Kosten produziert.Das Rathaus bietet
sich dafür an. Mein Wunsch ist es daher, für eine demokratische
Verwaltung und eine demokratische Ratversammlung auch demokratische,
transparente und „gläserne“ Bauten zu haben, wie das MUK-Foyer
(Bürgerschaftssitzungen) oder der Ingenhoven-Tempel am Markt (P C). Das
historische Rathaus, in dessen Mauern nur Filz und Intrigen gedeihen und
den Bürger eher abschreckt als einlädt, kann dann zum Musentempel
werden. | |
14. Sollte das Lübecker Theater mit Kiel kooperieren?
| Matthias Erz: Kooperieren ist immer gut – aber einsparen lässt sich dadurch bekannterweise nichts. Dies wäre nur der Fall, wenn man die Zahl der Inszenierungen senken würde, weniger Künstler und sonstige Theaterbeschäftigte bezahlte und letztlich den Kreis der Kunstschaffenden eingrenzte. Wollen wir das als ausgewiesene „Kulturhauptstadt“ wirklich tun? Ich denke, solange das Theater gut wirtschaftet und kaufmännisches Denken beachtet - so wie derzeit - , sollte diese Diskussion einem Stolz auf „unser tolles Theater“ weichen. |
15 Wie wollen Sie Lübecks freie Kultur-Szene fördern?
| Matthias Erz: In erster Linie sollte die Unterstützung ideeller Art
sein, weil unsere Kassen nun einmal leer sind und Luxus auf etliche
Jahre sich selbst verbietet. Wo die Freien Theater und andere
Kultureinrichtungen bereits von uns finanziell unterstützt werden,
müssen wir dringend auf ein gerechte und faire Verteilung achten. Es
geht nicht, das diejenigen am meisten bekommen, die am besten vernetzt
sind mit den Akteuren aus Politik und Verwaltung! Die Stadt kann bei
Genehmigungen helfen und auch andere Unterstützung bieten - wenn sie
will. | ![]() |






